5. Lustbetonung in der Sexualpädagogik

Dieser Workshop wird angeleitet durch Marco Kammholz und Till Ruben Majewski

Kurzbeschreibung des Workshops
Als Erfolg gilt der sexualpädagogischen Profession die Etablierung ihrer Angebote in die, allem voran, schulische Bildungslandschaft.
Gegen eben jene schulische Sexualaufklärung, die in sich weit mehr harmlos als skandalös ist, äussert sich dieser Tage vor allem die lautstarke Kritik sog. „Besorgter Eltern“, die jedwede Thematisierung von Sexualität gegenüber Kinder und Jugendlichen als „Übergriff“ verurteilen.
In der dennoch mittlerweile von der großen Mehrheit an jungen Menschen, im Rahmen ihrer Schulbildung, genossenen Sexualpädagogik überwiegen wiederum tendenziell Botschaften der Prävention.
Mit Blick auf eine erwachsene Zielgruppe leert sich schließlich die sexualpädagogische Angebotslandschaft.
Vor diesem Hintergrund stoßen sexualpädagogische Angebote, die einen lustbetonenden Fokus, also die Auseinandersetzung mit Lust und Geilheit als ganz grundlegendem Aspekt menschlicher Sexualität wählen, zum Teil auf starken Rechtfertigungsdruck, Irritation oder gar Ablehnung.
Dennoch formulieren (neo)emanzipatorische Ansätze der Sexualpädagogik die Hinwendung zur Lust wie auch die positive Annäherung an und Besetzung von Sexualität als zentrales Ziel und Anliegen.

Ziele des Workshops
Im Workshop soll sich also im gemeinsamen Fachaustausch der Frage nach der „Lust auf Lust“ in sexualpädagogischen Angeboten gewidmet werden.
Wo taucht die Lust an und für sich auf? Mit welchem Potenzial und auch welchen Einschränkungen oder Grenzen ist (offensive) Lustbejahung in der sexualpädagogischen Arbeit möglicherweise versehen?
Was braucht es im pädagogischen Angebot für einen gelungenen Umgang mit dem Spannungsverhältnis zwischen Intimität und Öffentlichkeit?
Haben die Angriffe auf Sexualpädagogik zur Folge, dass defensiver mit lust- oder körperbetonenden Methoden umgegangen wird?

Methode(n)/Formen des Workshops
Im Workshop sollen didaktisch-methodische Impulse aus der Arbeit mit Erwachsenen vorgestellt und kritisch diskutiert werden.
Als Praxisgrundlage dienen u.a. der kontrovers diskutierte Workshop „Anal verkehren- ein Workshop für Arschficker_Innen und die, die es (vielleicht) werden wollen“.
Dabei fließen u.a. Erfahrungen aus der sexualpädagogischen Arbeit mit schwulen/bisexuellen Männern und in der schwulen Subkultur mit ein.
Einzelne methodische Elemente werden gemeinsam durchgeführt und besprochen, es soll eine lustvolle Methodensammlung/börse entstehen und über Bedingungen und Voraussetzungen lustbetonender Angebote nachgedacht werden.
Die Veranstaltung konzentriert sich auf den gemeinsamen Fachaustausch und es finden keine Methoden der Selbsterfahrung oder praktische Körperübungen statt.

Marco Kammholz, Köln, staatlich anerkannter Jugend- und Heimerzieher in der ambulanten und stationären Jugendhilfe, Sexualpädagoge (gsp) mit sexuellen Bildungsveranstaltungen zu den Themen sexuelle Vielfalt, LSBTI&Flucht, schwule Sexualität und zur sexuellen Talentförderung.
Till Ruben Majewski, Hamburg, staatlich anerkannter Erzieher und Sozialarbeiter, ist Koordinator der Szene-vor-Ort-Arbeit und STI-Präventionsberater für den schwulen Checkpoint Hein&Fiete, war u.a. tätig für die Niedersächsische AIDS-Hilfe, die Deutsche AIDS-Hilfe und die ICH-WEIß-WAS-ICH-TU-Kampagne sowie im Vorstand des Schwulen Museums* Berlin.

Foto: Dragan Simicevic